Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704)
Die Rosenkranzsonaten
Rosenkranzsonaten

Zum Programm
Bibers Versuch, die 15 Stationen des Rosenkranzes musikalisch darzustellen, ist in der Musikgeschichte einzigartig. Die drei Mysterien, die freudenreichen, schmerzensreichen und glorreichen mit ihren je 5 Abschnitten bestimmen dabei die Form des Zyklus mit 15 Sonaten. Biber widmete die Sonaten dem Erzbischof von Salzburg Max Gandolph Graf von Kuenburg, einem äusserst einflussreichen weltlichen wie kirchlichen Herrscher, in dessen Diensten er seit 1670 war. Max Gandolph war ein grosser Förderer der damals in Salzburg sehr aktiven Rosenkranzbruderschaft.
Biber nützt die Situation eines Geschenkes an den Bischof geschickt aus und stellt die Violine, sein Instrument, ins Zentrum seiner Kunst. Mit 15 verschiedenen Umstimmungen, sogenannten Skordaturen, und einem enormen Variantenreichtum an Formen erreicht er eine unerhörte Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten.

Neueste Forschungen zeigen aber sehr spannende mathematische Beziehungen, die das wissenschaftliche Interesse Bibers verdeutlichen. In seiner in lateinischer Sprache verfassten Widmung an den Bischof gibt es Hinweise, dass er neben den vordergründigen theologischen Bezügen womöglich Johannes Kepler und dessen «Harmoniae mundi» zitiert. Diese Deutung wäre insbesondere pikant, da Kepler reformiert war, der Bischof aber für seine strenge gegenreformatorische Haltung bekannt war. Er unterstützte Hexenprozesse und liess Protestanten brutal vertreiben.

Biber kehrte unerlaubterweise auf einer Dienstreise zum berühmten Geigenbauer Jakobus Stainer nicht an seine erste Stelle in Olmütz zurück, sondern begab sich nach Salzburg. Diese freie, für damalige Verhältnisse freche Tat zeugt von einem kühnen Geist. Es ist also nicht auszuschliessen, dass er auf verborgenem Wege seine Kritik am streng katholischen Bischof placierte.

Der gesamte Zyklus der Rosenkranzsonaten wird äusserst selten im Konzert gespielt. Damit kein Umstimmen während eines Mysteriums, also fünf Sonaten, nötig ist, braucht es 5 Instrumente. Die Continuo-Besetzung, die mit vielen verschiedenen Bassinstrumenten farbig wird und stete Klangfarbenänderungen zulässt, ist nicht fix vorgeschrieben. Wir haben uns je für ein Streichinstrument, eines aus der Lautenfamilie und zwei aus dem Tastenbereich entschieden.

Zwischen den Sonaten werden ergänzende und erläuternde Texte gelesen. Wir hoffen, mit dem Konzept von drei Konzerten und dem Einbezug von Sprache den Zuhörenden die Möglichkeit zu geben, den immensen musikalischen Gehalt der Musik zu erfassen und zugleich die historischen Begebenheiten zu erfahren.


Mitwirkende
Renate Steinmann, Violine
Markus Bernhard, G-Violone
Jermaine Sprosse, Cembalo und Orgel
Vinicius Pérez, Lauteninstrumente
Corinne Holtz, Textkonzeption und Rezitation


Christine Stuber, Konzept Ausstellung
Klassen des Unterrichtsfaches Religionswisschenschaft



Aufführung
Die Rosenkranzsonaten werden in drei Teilen an zwei Tagen aufgeführt. Die ersten zwei Teile werden durch ein Essen mit einer Ausstellung getrennt.

1. Zyklus Donnerstag, 5. Juni 18.30 Uhr Klosterkirche Wettingen
Pause Essen mit Ausstellung Cafeteria Kantonsschule Wettingen
2. Zyklus Donnerstag, 5. Juni 21.00 Uhr Klosterkirche Wettingen
3. Zyklus Freitag, 6. Juni 19.30 Uhr Klosterkirche Wettingen